008 oder Funknetz Heinrich ...

Die Routine kam mit der Arbeit, auch an der 008. Der Umgang mit der Tabelle des diensthabenden Funkers (TDR) war inzwischen auch kein Problem mehr. Jedoch passierte mir im Dienst vom 31.12.84 zum 01.01.85 ein fast folgenschwerer Fehler. Ich habe es an der 008, an der wir Hauptfunk-stelle waren nie darauf angelegt, die Funker der Unterfunkstellen aufs Kreuz zu legen, um dann Funkverstöße zu verteilen. Im Gegenteil: Kurz vor Mitternacht verschlüsselte ich mittels TDR folgende Zeichen: HAPPY 1985. Alles andere war einfach zu lang. Also 9 Zeichen = 9 Z-Gruppen zu je 3 Zeichen. Die TDR befand sich immer in einer Folie, so dass wir die Schlüssel, welche täglich um 22:00 Uhr wechselten, mit einem Fettstift auftragen konnten. Diese Folie hatte sich etwas verschoben. Damit bekam das Zeichen für "kyrillische Buchstaben" eine völlig falsche Bedeutung. Aus „HAPPY“ wurde ein fürchterliches, kyrillisches Durcheinander. Nachdem ich das Signal fertig hatte, sendete ich es als Rundspruch und dazu noch als „AR“. „AR“ bedeutete, dass ein Signal zwei Mal hintereinander ohne Quittung zu senden war. Nach ungefähr fünf Minuten, die Nachricht war gerade raus, klingelte beim LFV das Telefon. "... Basis (die erste Luft-verteidigungsdivision) kann mit deinem Signal nichts anfangen!“ Nachdem ich etwas leicht verlegen erklärt hatte, was der Inhalt des Signals war, folgte ein aufgesetztes Lächeln und der Kommentar „... ach so.“

 

... von "unten" kommend, Juli 1997

Danach rief Waagschale, das waren die Transportfliegerkräfte, an und fragte, ob er auf die Frequenz 1985 kHz wechseln soll. Der dritte Anruf kam von Negativ, der dritten Luft-verteidigungsdivision. Der Funker ließ sich vom LFV nicht abwimmeln. Es hieß: „Komm mal hinter ans Telefon, der Funker will selbst mit dir sprechen.“ Wir wünschten uns ein gesundes neues Jahr und er meinte, dass er eine „Grußbotschaft“ von einer Hauptfunkstelle noch nie empfangen hat. Sollte der damalige, mir bis heute unbekannte Funker diese Zeilen lesen, würde ich mich über eine Mail freuen. Man hört sehr oft, dass wir Funker uns während des Sendens oder Aufnehmens von Funksprüchen mit dem Funker vom Nachbarplatz unterhalten haben oder dabei noch auf einem Ohr Musik gehört haben. Das ist kein Funkerlatein, es war tatsächlich so. Die Diensthabenden der Funkempfangszentrale haben uns nicht nur einmal auf die Funkerplätze Radiosender durchgeschaltet. Bei mir war es zumindest in den Diensten von Freitag zum Samstag die 177 kHz, die damals von Stimme der DDR belegt war. Von 23:00 Uhr bis 04:00 Uhr lief dort die Sendung "Wünsch Dir doch mal Tanzmusik". Damals schon recht locker durchmoderiert mit vielen internationalen Titeln und nur von den Seewetterberichten unterbrochen. Das half schon viel gegen diese  ständige Müdigkeit, die einen in der 2. Schicht immer überkam. Manchmal hörten wir auch RTL 208 (1440 kHz) oder Ö3. Ö3 ging allerdings nur nachts, wenn auf der Frequenz Wien-Bismaberg 1476 kHz dieses Programm für ein paar Stunden übertragen wurde. Im weiteren Verlauf der Dienste wurde ich, ohne es zu wissen, fachlich überprüft. Ich hatte einige Dienste mit immer demselben DNZ absolviert. Plötzlich, kurz vor Ende der ersten Schicht gegen 23:00 Uhr kam dieser in die Funkzentrale und meinte: „Sie sind ein kleiner Fuchs. In den letzten Diensten hatten Sie eine Fehlerquote von 2 Fehlern pro Spruch. Diese müssen sie nicht gemacht haben, das können auch Chiffrierfehler sein.“ Er erklärte mir, dass auch die Unterfunkstellen mit immer demselben Funker besetzt waren. Auch nach so langer Zeit: Kompliment an die mir unbekannten Kollegen! Das Ergebnis: 2 Tage Sonderurlaub, für mich immer die größte Belobigung, die ich bekommen konnte...

 

Funkbetriebszentrale