001 oder Funknetz Anton ...

Nach 28 Jahren wieder im Fuchsbau, nun als DL1AMH.

Ab März 1985 wurde dieses Netz 24 Stunden im Schichtdienst mit jeweils zwei Funkern besetzt. Hier funkten die Teilstreitkräfte der DDR mit dem Ministerium für Nationale Verteidigung. Wir waren lt. Funk-unterlagen die vorletzte Unterfunkstelle. Das Be-triebstempo war relativ hoch, dafür war hier aber nur wenig los. Pro Schicht im Schnitt ein Rundspruch und evtl. ein bis zwei individuelle Funksprüche, die kaum länger als 50 Gruppen waren. Die Frequenzwechsel (wir nannten das damals Wellenwechsel) fanden nach Programm statt, also auch kaum spektakulär. Wir haben zu dieser Zeit noch mit klassischen Morsetasten gefunkt. Keine Schlackertasten oder irgendwelche anderen Hilfsmittel. Die MG80 kamen erst nach unserer Entlassung. So kam es vor, dass Wostok (Hauptfunkstelle - Ministerium für Nationale Verteidigung der DDR), an uns einen Spruch sendete, der zum Schluss folgende Betriebszeichen hatte: rpt qtc for col - qrq al k. Übersetzt hieß das: "Wiederholen sie Spruch zur Korrektur, erhöhen sie ihre Gebegeschwindigkeit." Nun ist das mit einer Handtaste immer so eine Sache und auch tagesformabhängig. Wenn das geklappt hat kam von der Hauptfunkstelle ein „c“ (ja, keine Fehler). War die Funkleitung gut gelaunt, gab es noch ein QRK 5 (Ihre Signale sind ausgezeichnet lesbar). Irgendwann wurden meine Funksprüche mal zeitmäßig gestoppt. Meine maximale Gebe-geschwindigkeit lag zweitweise bei 130 Zeichen pro Minute, das sind 26 Fünfergruppen in der Minute. Diese Geschwindigkeit erreiche ich heute nur noch mit einer elektronischen Taste. Von März bis Oktober habe ich die meisten Dienste an der 001 bestritten. Etwa 4 Wochen bevor wir wieder nach Hause entlassen werden sollten, ist mir an diesem Funknetz folgende Geschichte passiert:

 

Arbeitsplätze: links 010, rechts 001. Hier noch mit den Originaltischen, aber fehlenden Bedienpulten.

 

... noch 6 Dienste dachte ich und du kannst endlich wieder nach Hause, für immer. Im Kopf hatte ich schon Pläne, was danach werden sollte. Das gesamte Funknetz war schon seit Tagen sehr ruhig. Dienstübernahme, Rundspruch, die Sprüche des Tagesdienstes, Frequenzwechsel, Verbindungsaufnahme. Das alles war inzwischen zur absoluten Routine geworden. Den Betriebsdienst nach DV 040-0-004 kannten wir aus dem FF. An jenem Abend rief mich Wostok und sendete ein Dienstsignal, welches ich umgehend quittiert habe. Das Signal entschlüsselte ich mit Hilfe der Tabelle des diensthabenden Funkers. Ich dachte so bei mir, das ist ja komisch, der will eine Parole von mir haben. Es war etwas ungewöhnlich, denn derjenige, welcher eine Parole anforderte, sendete in der Regel auch die entsprechende Parolengruppe. Nun gut, dachte ich, ist zwar ungewöhnlich stimmt aber mit der DV überein. Und nun machte ich mir einen Spaß daraus, denn ich wusste, dass mein Gegenüber in Straußberg noch mindestens 8 Jahre vor sich hatte und ich sendete fröhlich z... hk85, denn die Parolengruppe zur Anforderung musste der Funker selbst bilden. Nun was ist an dieser Gruppe so ungewöhnlich? Auf den ersten Blick nichts, das war es ja gerade! Auf den zweiten Blick habe ich meiner Funkleitung gesagt ICH BIN HEIMKEHRER 1985. Ich kann gehen, du musst bleiben. Als das Signal gesendet war, kam nach knapp drei Minuten ein förmlicher Anruf und Wostok verpasste mir ein QCZ 6/2. QCZ= Sie verletzten die Regeln des Funkbetriebsdienstes und der Punkt 6/2 der DV sagte, dass Privatgespräche etc. über Funk verboten sind. Es war ein Funkverstoß 1. Ordnung, der meldepflichtig war. Diejenigen, die sich Funker nannten und kaum einen Spruch aufschreiben konnten, haben sich natürlich am lautesten zu diesem QCZ gemeldet. Diejenigen, die in der Materie standen grinsten und meinten, wir wissen ganz genau, was du gemeint hast, aber die Funkvorschrift wurde damit nicht verletzt. Ein paar Tage später wurde mir dann gesagt, dass man vergeblich auf ein Fernschreiben aus Straußberg gewartet hat. Funkverstöße wurden auch per Fernschreiber an die Dienst-habenden gesendet. Hätte ich also nichts gesagt, dann … Aber wer weiß schon immer was richtig oder falsch ist.