Versetzung nach Fürstenwalde und die erste Begegnung mit dem Fuchsbau ...

 

Anfang Oktober 1984 war die sechsmonatige Ausbildung zum Funker für territoriale Funkstellen im Waldsieversdorfer Nachrichtenregiment 14 der LSK/LV abgeschlossen. Vom Forschungs- und Beobachtungsinstitut Raduga (FBZ) oder besser dem Fuchsbau hatten wir bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel gehört. Uns wurde lediglich mitgeteilt, dass wir für ein Jahr als Funker im diensthabenden System (DHS) arbeiten sollten.

 

Das ehem. NR 14 - Zustand August 2013

 

Nachdem einige Formalitäten (Passbilder, neue Ausweise) erledigt waren, habe ich Mitte Oktober 1984 zum ersten Mal den Fuchsbau betreten. Von unseren Unterkünften ging es quer durch den Wald bis zum ersten Kontrollposten. Dieser befand sich direkt an der Hochspannungssicherungsanlage. Die HSA umgab das gesamte Objekt, welches wir mit dem normalen Dienststellenausweis des FBZ betraten. Hier umschlich mich ein etwas eigenartiges Gefühl, welches bis zum Ende des Wehrdienstes anhalten sollte. Direkt am Bunkereingang gab es einen zweiten Kontrollposten. Der Dienststellenausweis wurde hier abgegeben und gegen einen weiteren kartenähnlichen Ausweis, die sogenannte "NASA Karte" getauscht. Voraussetzung war, dass unsere Namen auf einer täglich aktualisierten und bestätigten Liste standen. Die Karte war an der linken Tasche des Uniformhemds zu tragen. Neben dem Passbild, einer Registriernummer und persönlichen Angaben waren unsere Karten mit einem blauen Streifen gekennzeichnet. Dieser gestattete uns nur den Zutritt des Altbaus, in dem sich die Funkzentrale befand. Woher der Begriff "NASA- Karte" stammte weiß ich nicht, wir haben den Begriff einfach übernommen. Was in den einzelnen Gefechtsabschnitten gemacht wurde, wussten wir damals so gut wie nicht. Man kannte sich vom Sehen, das war aber auch schon alles. Näheren Kontakt hatten wir nur zum Fernschreibpersonal. Meist immer dann, wenn die diensthabenden Fernschreiber unsere Funkerschrift nicht entziffern konnten. Den Führungssaal selbst habe ich nur einmal im total abgedunkelten Zustand gesehen. Den Inhalt der gesendeten und empfangenen Funksprüche kannten wir ebenfalls nicht. Wir ahnten zwar, wenn es um "echte Inhalte" ging, wussten es aber nicht. Ob der tägliche QDA- (Durchgangs-) Funkspruch einen echten Inhalt hatte oder nur ein Dummy war, wer weiß ...

 

KDL 2 im Juli 1997

An jenem Tag wurde ich zum Doubledienst eingeteilt. Das be-deutete, neben einem erfahrenen Funker zu sitzen, sich in den Betriebsdienst einweisen zu lassen und ggf. Funksprüche mit-zuschreiben. Gegen Schichtende sollte ich zum ersten Mal am FuN 008 (dem Führungsfunknetz LSK/LV) einen Rundspruch senden. Der Fuchsbau selbst verfügte über keine eigenen Sender. Dafür gab es Funk-sendeämter die über Tastleitungen mit dem Fuchsbau verbunden waren und über die unsere Signale abgestrahlt wurden. Die Funkpulte an den Arbeitsplätzen selbst waren mit Empfängern der Baureihe EKV13 bzw. EKD100 gekoppelt, welche sich in der Funkempfangszentrale (FEZ) befanden. Wenn ein Funker im Fuchsbau auf die Morsetaste gedrückt hat, wurden die Signale über eines der Funksendeämter abgestrahlt und über den zuständigen Betriebsempfänger im FEZ empfangen. Von dort wurde das NF- Signal an den entsprechenden Arbeitsplatz weitergeleitet.

Eintrag im WDA: Funkerquali.

Die Signale bekamen daher eine leichte Verzögerung, an die sich der Funker erst gewöhnen musste. Der Vorteil war, dass wir sozusagen voll BK-fähig waren, dh. wir konnten zwischen unseren Zeichen hören, was doch recht angenehm war. Im diensthabenden System gab es eigene Regeln. Nach der 30igsten Gruppe haben wir eine Pause gelassen, so dass der Funker gegenüber sein Funkspruchformular umdrehen konnte und nach der jeweils 50igsten Gruppe wurde ein Fragezeichen gesendet. Hat die empfangende Stelle ein "c" (ja) gegeben, ging es mit der 51igsten Gruppe weiter. Nachdem ich die Empfangsquittungen der einzelnen Funkstellen erhalten hatte sah ich skeptisch zum diensthabenden Wachleiter, der zustimmend nickte. Ich dachte so bei mir, jetzt hört dich die Welt und keiner wird erfahren, dass du das bist. Das war also der Einstand am FuN 008, das in den kommenden Monaten mein "zweites zu Hause" werden sollte. Kurz und schmerzlos also.
 

Funkempfangszentrale - Platzverteiler

 

Den "richtigen" Einstand im DHS gab es für die Funker allerdings nicht an der Morsetaste, sondern in der Fuchsbauküche "K3". Die Küche war ebenfalls 24 Stunden in Betrieb. Sichergestellt wurden 5 Mahlzeiten. Die Besatzung bestand aus einem Koch (24 Stunden), einem Tagesdienst und einer Ordonanz. Für die gesamten Hilfsarbeiten waren jeweils zwei Funker eingeteilt. Das waren in der Regel die Ableser der Koordinaten-empfangsfunknetze 109, 110 bzw. der Empfangsfunker 019/2 (24 Stunden) und ein Bereitschaftsfunker (Tagesdienst). Die Funker wurden somit nicht nur einmal außer der Reihe zusätzlich versorgt. Es gab auch schon mal eine Situation, in der ich im Küchenkittel an der 001 QTC' s (Funksprüche) entgegengenommen habe.

 

Die K3, Zustand Juli 2013